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Europäische Literatur und deutsche Wanderbühne

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Europäische Literatur und deutsche Wanderbühne

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  1. Europäische Literatur und deutsche Wanderbühne 4. Die Bearbeitung von Vorlagen in der italienischen Phase – vom Libretto zum Volksstück

  2. Niccolò Minato: Creso • Eleonora Magdalena Theresia (Neuburg von der Pfalz), 1655-1720 • ab 1676 die dritte Gemahlin von Leopold I. • die Mutter von KaiserJosef I. • der stumme Sohn des Königs Krösus • Herodot: Historien (I, 85)

  3. Minato: Creso • Kroisos selbst hatte folgendes Schicksal: Einer seiner Söhne, den ich schon oben erwähnt habe, war sonst ein trefflicher Mann, aber stumm. Früher, in den Tagen seines Glücks, hatte Kroisos alles für ihn getan, was er konnte. Unter anderem, was er ersann, hatte er auch Boten nach Delphi geschickt, um das Orakel seinetwegen zu befragen. Die Pythia hatte ihm geantwortet: „Lyder dem Blute nach, König von vielen, gewaltiger Tor doch,| Kroisos, wünsche dir nicht im Haus die erbetene Stimme| Deines sprechenden Sohnes zu hören; es ist für dich besser.| Denn, wenn zuerst er spricht, das ist am Tage des Unglücks.“ Als jetzt die Mauer genommen war, ging ein Perser, der Kroisos nicht kannte, auf ihn los, um ihn zu töten. Kroisos sah ihn zwar herankommen, achtete aber nicht darauf; denn das Schicksal hatte ihn so gebeugt, daß ihn der Tod nicht schreckte. Als aber sein stummer Sohn den Perser auf den Vater zustürzen sah, lösten Furcht und Leid seine Stimme, und er rief: „Mensch, töte Kroisos nicht!“ Das war das erste Wort, das er sprach. Seitdem konnte er zeit seines Lebens wieder reden.

  4. Minato: Creso • Herodot I,75-91: Auseinandersetzungen zwischen Kroisos und Kyros • I,34: Kroisos hatte zwei Söhne: einer war versehrt, denn er war taubstumm. Der andere aber übertraf seine Altersgenossen in allem; er hieß Atys. • Minato: Argomento • Historien I,29-33: Solon in der Schatzkammer • I,87: Rettung des Kroisos vor der Verbrennung • Hinzufügung (si finge): • die Verschwörung von Orsane • die Verkleidung von Ati als Bauer • die diversen Liebesgeschichten

  5. Minato: Creso • sehr umfangreich • laut Regieanweisungen über zwei Tage • zahlreiche Balletteinlagen • allegorisch-panegyrischer Schluss

  6. Minato: Creso • mit Ausnahme der Arien immer in deutsche Prosa • Antonio Draghi (Ferrara 1642 – Wien 1700) • ab 1658 in Wien • ab 1673 Intendente delle musiche • über 80 Opern und Oratorien • Johann Heinrich Schmelzer (Ballettmusik) • am 9. und 10. Januar 1678 • Wh. am 12. und 13. Januar

  7. Bostel: Croesus • Lucas von Bostel (Hamburg 1649-1716) • Satiren von Nicolas Boileau ins Plattdeutsche • Der glückliche und unglückliche Cara Mustapha, 1686 • Hamburg 1684 • Johann Philipp Förtsch (Wertheim/Main 1652 – Eutin 1732; Arzt und Komponist) • Arie I,2 Elmira/Trigesta (Ohn eintziges Beschwerden) nicht mehr vier, sondern nur mehr zwei Strophen • Einspruch der Geistlichkeit • abgeschwächte Fassung auch 1692 • Der stumme Prinz Atis

  8. Bostel: Croesus

  9. Weitere Bearbeitungen • Musik: Reinhard Keiser • 1730 leicht gekürzt • Atis, Oder Der Stumme Verliebte. In einer Opera Auf dem grossen Braunschweigischen Theatro vorgestellet. Wolfenbüttel: Christian Bartsch 1717. (Musik von Georg Caspar Schürmann) • Atis, Oder Der stumme Verliebte/ Jn einer Opera auf dem grossen Braunschweigischen Theatro vorgestellet. Wolfenbüttel/ Druckts Christian Bartsch/ Hertzogl. privil. Hof- und Cantzley Buchdr. o. J. [Februar 1719]. • Buchhöfer| Der| Stumme Printz ATIS,| In einem| INTERMEZZO| Auf dem| Hamburger| Schau=Platze| Vorgestellet.| Im Jahr 1726.| [Ornament]| Gedruckt mit Stromerschen Schriften. • Text: Johann Philipp Praetorius nach Le Sage und d’Orneval. Musik: Reinhard Keiser

  10. Der stumme Printz Atis,ÖNB Cod. 13.107 • 1708 von Andreas Dorscheus geschrieben • im Besitz von Carl Ludwig Hoffmann (Director Comicorum) • Antiquariat Kuppitsch 1849 • mindestens drei Hände: • 1. eine deutliche, dünne Kurrent-Schrift – Gesamttext • 2. eine etwas dickere Kurrent-Schrift – Ergänzung beschädigter Blätter • 3. eine spätere Hand – Personenverzeichnis und Streichungen • Neryllus und Olisius wurden gestrichen • Aussagen von Atis in lateinischer Schrift – Gebärdensprache • Zelm : Das Libretto trägt mit einer Verknüpfung der Haupt- und Staatsaktion, einer Liebesintrige und komischen Szenen deutliche Merkmale der venezianischen Oper.

  11. Page Nerillo für Atis → Elmira: I tuoi Crini son le catene,Che legaro questo Cor.Le Pupille tue sereneSon le Fonti del mi’ ardor.[...]Vn sol guardo, che da Te viene,E più bel d’ogni splendor.Dolci, e care son le Pene,Che per Te mi rende Amor. Johann Albrecht Rudolph: Deine Haare sein die Stricke/Wo mein Hertz ihr Bandt hernam;Vnd der Vrsprung deiner BlickeIst der Vrsprung meiner Flam.[...]Deiner schönen Augen=scheineGleicht kein andrer Strallen=Pracht;Süß vnd lieb sein mir die Peine/Die mir deine Liebe macht. Der stumme Printz Atis

  12. Bostel – Nerillus: Durch der Haare güldne StrickeIst ans Hertz ein Band gelegt/Durch der Augen helle BlickeIst die Brust in Feur erregt/Dennoch leb’ ich höchst vergnügt/Und begehre kein erretten/Aus den güldnen Band und Ketten/Dran mein Hertz in Flammen liegt. General Halimachus an Elmira (Frau Neuberin) : Durch der Haare güldne Stricke, ist mein Hertz in Band gelegt,Durch der Augen helle Blicke wird die Brust in Freud erregtDennoch leb ich höchst vergnügt und begehre keinen rathAuf dem güldnen Band und Rath darin mein Hertz in Flammen liegt. Der stumme Printz Atis

  13. Bostel – Philosoph Solon: Solte Schiffern wohl geziemen,Ehe dann der Port erreichtIhrer Schiffart Glück zu rühmen!Ein Mensch der dem Schiffe gleicht/Hat kein wahres Glück erworben/Eh’ er glücklich ist gestorben. Sollte Schiffern wohl geziemen,Ehe dann der Port erreichtIhrer Schiffart Glück zu rühmen?Ein Mensch der dem Schiffe gleicht,Hat kein wahres Glück erworbenBis er glücklich ist gestorben. Der stumme Printz Atis

  14. Bostel – Croesus: Weil die allerschönste BluhmNicht behält der Schönheit Ruhm/Wann die welchen Blätter fliessen/Solte man die kurtze ZeitIhrer schönen LiebligkeitDarum nicht mit Lust geniessen? Weil die allerschönste BlumNicht behält der Schönheit RuhmWann die welke Blätter fließen,Sollte man der kurzen ZeitIhrer schönen LieblichkeitDarum nicht mit Lust genießen. Der stumme Printz Atis

  15. Die unvergleichlich=schöne Printzeßin Andromeda oder Derselben Vermählung mit dem heldenmühtigen Perseus • ÖNB Cod. 13.150 • nach 1695 • 1841 aus dem Besitz von Ignaz Franz Castelli • Benedetto Ferrari: Andromeda. Venezia 1637 • Aurelio Aureli: Il Perseo. Venezia 1665 • Aurelio Amalteo: Il Perseo. Dramma musicale nel giorno Natalizio della Sacra Cesarea Real Maestà dell’Imperadrice Margherita.In Vienna d’Austria, per Matteo Cosmerovio. 1669 • 15. Juli 1669, Musik von Antonio Draghi und Ballettmusik von Johann Heinrich Schmelzer

  16. Printzeßin Andromeda • auszuschließen: • Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg: Andromeda (Wolfenbüttel 1659) • Pierre Corneille: Andromède (1651) • Nicolò Minato: Le attioni fortunate di Perseo • Pier Jacopo Martello: Il Perseo (Bologna 1697) • 1675 in Ansbach und 1679 in Hamburg Singspiel von Johann Wolfgang Franck: • Die| errettete| Unschuld| oder| ANDROMEDA| und| PERSEUS| In einem| Sing=Spiel| vorgestellet. [1679] • Die errettete| Unschuld| oder| ANDROMEDA| und| PERSEUS| In einem| Sing=Spiel| vorgestellet.| Gedruckt / Anno 1692.

  17. Printzeßin Andromeda • Franck (1644 – nach 1700) • 1665-66 am Hof in Ansbach • 1668-72 vermutlich in Italien • ab 1673 als Hofkapellmeister und Operndirektor in Ansbach • 1679 nach Hamburg • unbekannter Textdichter nach Pierre Corneille • [...] als habe mich an dessen Erfindung gebunden/ wie wohl es unmüglich war/ sie mit solcher Weitläufftigkeit überzusetzen/ welches die jenigen/ denen die Art der Singe=Spiel wohl bekandt ist/ nicht leugnen werden.

  18. Printzeßin Andromeda • Teilrepertoire der Eggenbergischen Hofkomödianten von 1683 in Ansbach • Nr. 15: Die weisse mohrin • Ludvik: Eine sehr klägliche Tragaedia von Tito Andronico und der hoffertigen/ Käyserin/ darinnen denckwürdige Actiones zu befinden • ÖNB Codex 13.134: • Comoedia.| PERSEVS ET ANDROMEDA.| Oder die| Weiß Gebohrene Mohrin.| Angefangen In Berlin| den 2 Januarij Anno 1700| F. E. Paulßen • lustiger Diener des Perseus dort Morio

  19. Printzeßin Andromeda • Personen von Codex 13.150: • Cepheus, König in Aethiopien. Mops undCassiope, deßen Gemahlin. Lips seine Cammeraten. Andromeda, dero Tochter. Jupiter.Perseus. Juno.Phineus. Venus.Scaramuza, des Perseus Kurtzweiliger Diener.Officier des Königs.Neptunus. 3 Ritter stamm.Cephalis, Operpriester. 4 Maegde.Sylvander, ein grospralichter Jäger. • Szenenabfolge in Cod. 13.134 → Aufbau bei Corneille • Jagd-Szenen fehlen

  20. Printzeßin Andromeda • Sylvander. Hundert hirsche traff ich auff einmahl, aber nur durchs Geweyh. • Scaramuza. Das ist 100mahl nicht wahr, der Kerl kan so subtil auffschneiden, alß wenn ers gelernet hätte. • Sylvander. Und so bald ich nur mein Jäger=Geschrey darzu hören ließ, lieffen sie Wald ein, fielen aber mitten im lauffen tod darnieder. • Scaramuza. Er hat recht, sie fielen alle vor tod nieder, aber sie stunden wieder auff und lieffen vor lebendig darvon. • Sylvander. Das ärgste war, das ein Donner Wetter drauff endstand, denn weil der blitz in einen baum schlug, daß der gantze Wald angezündt wurde, verbrannte zugleich alle das Wild, das ich mit so großer Mühe zusammen getrieben hatte.

  21. Printzeßin Andromeda • Scaramuza. Ich glaube ihr seyd geschoßen, ihr Mädchens, last mich doch mit Frieden, ich wil eüch ja alle 4 haben, ist das so genug? Eine stöst ihn der andern zu.4. Magd. I du Eßels=Kopff, hastu mir nicht die Ehe allein versprochen? Stöst ihn fort. Gehe hin, wenn du andre mehr lieben wilst.3. Magd. Du fremder Flegel, bistu deßwegen in dießes Land gekommen, mich zu betrügen? Schere dich hin, wo du bist her gekommen.2. Magd. Hastu Halunke, solchen Flatter Geist? Stöst. So begehr ich an dir keinen Theil zu haben.1. Magd. Wann ich den Schweinhund nicht allein haben soll. Stöst. So begehr ich ihn auch nicht.Scaramuza. Großen Danck, ihr holdseeliges Frauenzimmer, nach dießer eürer resolution hat mich schon längst verlangt, weil ihr mich verstost, so fahret wol, ich bin froh, daß ich eürer auff solche Weiße loß worden. Er wil fort, sie halten ihn.

  22. Printzeßin Andromeda • Chorus. Nun kommet Ihr liebes, Bekröneten Seelen.Wo Leichtet die himmlische Pracht.Wir wollen Euch heüte den Sternen Vermehlen.Wo Phoebus in herrligkeit Lacht.Wo Rosen Vnd 1000sent RubinenZu Freüde Vnd Lachen euch dienen.Jupiter. So Laßet den Ihr Götter Vnß Beschauen.Die schönen himmelß Auen.Perseus. Wo Nectar Vnß alzeit ergetzet.Vnd Vnßere Sonnen mit himmlischen Freüden ersetzet.Chorus. Nun kommet Ihr liebes. etce.

  23. Printzeßin Andromeda • Cod. 13.150 Schluss:Jupiter. Die Erd’ ist nimmer werth, das Freüden=Fest zu schauenAn dem mein Perseus ihm Andromeda läßt trauen,Dem Himmel kommt die Ehr’ und nicht der Erden zu;Die Erde hegt Verdruß, im Himmel wohnet Ruh.Printzeßin, Perseus, kommt, kommt ihr Verliebten beyde,Besteigt mit unß den Götter=Thron,Geniest mit unß der höchsten Himmelß=Freüde, [...]Andromeda. So laßt unß den scheidenZur Freüde vom Leyden.Cassiope. Vom Erden beginnenZur himmlischen Zinnen.Cepheus. Da werdet ihr frey von denn Erden=BeschwerdenDenn himmlischen Göttern verähnlichet werden.Perseus. Da wird sich das Trübel und Übel endfernen,Wir werden im Dunckeln denn funcklenden sternenGleich sternen. Fahren mit Trompeten und Paucken in die Höh.

  24. Printzeßin Andromeda • Wolfenbüttel 1710: Perseus und Andromeda oder Die weißgeborne Mohrin • Weißenfels 1688: Die befreyte Andromeda • Szenar eines allegorischen Schul-Spiels:Perseus Befreyet die Befreyte Andromeda. Zu höchst=Ruhmwürdigsten Ehren Des Hoch= und Wohl=Gebohrnen Herrn/ Herrn Ioannis Antonii Deß Heil. Röm. Reichs Graffen von Hoyos [...] Auff Offener Schau=Bühne unterthänigst vorgestellet. Von der daselbst [in Horn] studirenden Hoch=Adelichen Jugend/ bei Jährlich=gewöhnlicher Außtheilung der Praemien. Im Augustmonat den 25. Tag 1709. Gedruckt zu Wildberg/ bey Joseph Antoni Streibig. • Michael Kongehl (Kreuzburg 1646 – Königsberg 1710) • 1671 zum Dichter gekrönt und als Prutenio ab 1673 beim Pegnesischen Blumenorden

  25. Printzeßin Andromeda • Die| Unvergleichlich=schöne| Princeßin| Andromeda/| In einem| Misch=Spiel| (TRAGICO-COMOEDIA)| aufs neu| auf die Schau=Bühne| geführet| von| Michael Kongehl/| beygenahmt| Prutenio.| Königsberg/| Gedruckt bey den Reusnerischen Erben/ 1695. • Friedrich III. Markgraf von Brandenburg zum Geburts=Fest • Inzwischen hat man dem Himmel zudanken/ daß das Alte wieder Neu worden. In diesem zum Ende lauffenden Jahrhundert hat sich solches mit unserm kostbahren Schau=Spiel auch zu getragen. Das tieffsinnige Welschland/ nebst dem Treu=gesinnten Deutschland/ hat solches von neuen/ der Sprach= und Kunst=liebenden Welt/ auf die prachtende Schau=Bühnen gestellet. Eben jetzo vor zwanzig Jahren/ ist es in der Höchfürstlichen Brandenburgischen Hoff=Stadt Onolzbach/ hoch=feyerlich befeyret worden. Weil uns denn ein gedrucktes Exemplar, bestehend in 2. Bogen/ von Anno 1675. von hoher Hand/ zu handen kommen; Als haben wir solches vor einen Leit=Stern angenommen/ und nach demselben unsere Gedanken gerichtet.

  26. Printzeßin Andromeda • allegorische Figuren (Germania, Prußia) als Vor- und Nachredner • Persohnen des zwischen=Spiels • Scaramuza: an stat des Pikelheerings • eine Passage aus II.1 des Cod. 13.150: Möcht – Must; ewig – immer • Apotheose von Perseus und Andromeda • Narrenhochzeit mit Scaramuza und den Mägden • Scaramuza – Liebes-Donat • Anspielungen auf die lateinische Grammatik → gebildetes Publikum

  27. Printzeßin Andromeda • Scaramuza. Ich wil es eüch sagen, Herr, seyd der Zeit wir bey Hoffe gewesen, hab ich schreckliche Liebes=Passion gehabt und großen appetit getragen, mit denn schwartzen Mädchens dießes Landes den liebes Donat ein wenig durchzustudieren, nachdem ich nu mit denn Rabenaäßern in etwas bekand geworden, haben wir unß mit einander belieben laßen, das verbum, Amo, ein wenig vor die hand zunehmen, zufo<r>derst auswendig zu lernen, und weil wirs in kurtzer Zeit dahin gebracht, daß ich auff meiner partey so wohl das Activum, alß sie auff ihrer Seite das passivum zimlich in perfecto et plusquamperfecto zu recitiren gewust, haben wir endlich ein scharff deponens und zwar in modo conjunctivo vor die Hand genommen. Itzt aber, da durch gar zu vielfältiges conjugiren in ihrem infinitivo das gerundium verdorben worden, haben sie mir

  28. Printzeßin Andromeda • allerseits in modo imperativo das Hochzeit machen angekündiget, weil ich aber die bey ihnen gemachte Schuld nicht in praesenti sondern in futuro zu bezahlen versprochen, haben sie geschworen mich ins Gefängnüß legen zu laßen. Einmahl bin ich ihren Faüsten schon kümmerlich endwischt, solten sie mich aber noch einmahl ertappen, dörfften sie mir mein participium elend zurichten, und impersonaliter etwan mit dem verbo oportet, der Herr sey gebeten, ad clausulam hinführen. • Initialen D. S. L. und D. B.

  29. Herkunft der Textvorlagen • Carl Heine: Das Schauspiel der deutschen Wanderbühne vor Gottsched. Halle 1889:Wichtiger aber als die Frage nach den Bearbeitern ist wohl die, wie die bearbeiteten Originale in den Besitz der Truppen kamen. Meist ist es ein erstaunlich langer Weg, den sie von ihrem Ursprung bis zum deutschen Theater zurücklegten; ein Weg, auf dem ihnen Name und so viel Eigentümlichkeiten abhanden kamen, auf dem sie so viel Vergewaltigungen zu leiden hatten, daß sie ihren fremdländischen Namen und so viel von ihrem fremdländischen Charakter verloren, daß diese aus so verschiedenen Zeiten und Ländern entsprossenen Stücke aus einer Mache hervorgegangen scheinen. (S. 8) • Carl Goedeke: Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. 2. Neu bearb. Aufl. Dresden: Ehlermann 1884ff; besonders Band 2, § 189 und 200.

  30. Sprechakttheorie • J. L. Austin: How to Do Things With Words. 1962 • perlokutorische Akte = Vollzug eines Aktes durch Sprache • lokutorische = nur sprachliche • illokutorischen = einwirkende • Nun will ich dies tun – Nun habe ich das getan. • Puppenspiel • Joseph Anton Stranitzky (um 1676 bis 1726) • Zahnarzt • 1698-1702 als Puppenspieler in Süddeutschland • 1702-05 ? Truppe der Witwe Velten • ab 1705 dann in Wien als Hanswurst • Enzinger: Auf Italienische Opern gehen die meisten seiner Stücke zurück.

  31. Joseph Anton Stranitzky • Enzinger: Das Ergebnis seiner Kunst war: Vereinigung von Jesuitenbühne und Opernbühne mit den volkstümlichen Traditionen der Wandertruppen, der englischen und italienischen Komödianten. Von ihm geht in gerader Linie das Volkstück aus, er war der erste, der die losen Fäden alle verschlungen hat. • Rudolf Payer von Thurn: Wiener Haupt- und Staatsaktionen(2 Bde. Wien 1908-10) • 14 Texte aus 15 Folioheften der ÖNB 1724 • I.1. Triumph| Römischer Tugendt| und Tapferkeit| oder| GORDIANVS| der Grosse| Mit Hanß Wurst| den lächerlichen Liebes=Ambaßadeur, curieusen Befehlshaber,| vermeinten Todten, ungeschickten Mörder, gezwungenen Spion &c.| und waß noch mehr die Comoedie selbsten erkhlaren wirdt.| -| Componirt| In diesen 1724 JAHR, den 23 Jenner.

  32. Joseph Anton Stranitzky • I.2. Die Enthaubttung| deß| Weltberühmten Wohlredners| CICERONIS| Mit HW:| den seltsamen Jäger, lustigen Gallioten, verwirrten Briefftreger,| lächerlichen Schwimer, übl belohnten Botten &c. Daß Übrige wird| die Action selbsten vorstehlen.| -| Componirt in| Jahr 1724, den 12 Junij. • I.3. Die Verfolgung auß Liebe| oder| Die grausame Königin der| Tegeanten| ATALANTA| Mit Hanß Wurscht| Den lächerlichen Liebs=Ambasadeur, betrognen Curiositäten=|Seher, einfältigen Meichelmörder, Interessirten Kammerdiener,| übl belohnten Beederachsltrager, unschuldigen Arrestanten,| Intresirten Auffstecher, wohl exercirten Soldaten und Inspector| über die bey Hoff auf der Stiegen Esßende Gallantomo. &c. &c.| -| Im Jahr 1724, den 10 July.

  33. Joseph Anton Stranitzky • I.4. Nicht diesem, den es zugedacht,| Sondern dem daß Glücke lacht| oder| Der großmüthige Frauenwechsel| unter Königlichen Personen| mit| Hans Wurst| den verrathenen Intriganten und übel belohnten Liebs=Envoye.| -| Viennae Die 21 Julij Anno MDCCXXIV. • I.5. Die| Gestürzte Tyrannay| In der Person deß Messinischen Wüttrichs| PELIFONTE| oder| Triumph der Liebe und Rache| mit HW:| dem getreuen Spion, einfältigen Soldaten, leichtsinnigen Liebhaber| und, was für Lustbarkeit fehrner seye, wird die Action selbst| vorstehlen.| -| Wien den 29 July Ao. 724.

  34. Joseph Anton Stranitzky • I.6. Der Betrogene Ehmann| oder Hanß Wurscht| der seltsam= und lächerliche Jungfrauenzwinger, einfältige Schild=|wacht, Allamodische Jäger, beängstigste Liebhaber, brallende| Duelant, durchgetribene Kupler und großmütige Erretter seines| Herren.| -| Viennae den 3ten Augusti Anno MDCCXXIV. • I.7. Der| Großmüthige Überwinder| Seiner selbst| mit HW:| den übl belohnten Liebhaber vieller Weibsbilder| oder Hw| der Meister, böse Weiber gutt zu machen. Mehrers wird die| Action selbst dem geneigten Leser vorstellen.| -| In Wienn den 7 August 1724. • Johann Sonnleitner (Hg.): Hanswurstiaden. Ein Jahrhundert Wiener Komödie. Salzburg: Residenz 1996.

  35. Joseph Anton Stranitzky • II.1. Der| Tempel DIANAE| oder| Der Spiegl wahrer und treuer| Freundschafft| mit H: W:| Den sehr übl geplagten Jungengesellen von| zwey alten Weiberen| Componirt| Von eInen VIenn anWesenDen CoMICo.| #| Monsieur stranützkü| mimus. • II.2. Triumph| Der Ehre und deß Glückes| oder TARQVINIUS SUPERBUS| Mit HW:| Den ünglückseelischen Verliebten, durchgetribenen Hoffschrantzen,| interessirten Kupler, närrischen Großmüthigen und tapfren| Schloßstürmer.| In JAHR 1724. • II.3. Grosmütiger| Wethstreit der Freundschafft| Liebe und Ehre| oder| SCIPIO| in Spanien| mit Hw| den großmütigen Sclaven und verschmizten Hoffschrantzen.

  36. Joseph Anton Stranitzky • II.4. Der| Besiegte Obsieger Adalbertus| König in Wälschlandt| oder| Die Wurckungen deß Betruchs| bey gezwungener Liebe| Mit HW:| den betrogenen Breutigam, verwihrten Auffstecher, übl belohnten| alten Weiber Spotter, gezwungenen Ehmann, Allamodischen| Ambadsadeur, sehenden Blinden und hörenden Tauben &c. &c.| Componirt Ao 1724 von einem Comico. • II.5. Sieg| Der Unschuldt über Haß und| Verrätherey| oder| Scepter und Cron hat Tugendt| zum Lohn| Mit HW:| dem Doctor in der Einbildung undt seltsamene| Complementario.| In JAHR 1724. • II.6. Waß sein soll| Daß schickt sich wohl| oder| Die unvergleichliche Beständigkeit| zweyer Verliebten| Mit HW:| den seltsamen Großmütigen und übl belohnten Kupler.

  37. Ollapatrida • II.7. Die| Allgemeine Treu| oder HW:| der listige, iedoch betrogenen und zum Galgen ver-|dambte Hausdieb, wohlpracticirter Beederachslträger| und Kuppler. • Richard Maria Werner (Hg.): Ollapatrida des durchgetriebenen Fuchsmundi von J. A. Stranitzky (1711). Wien 1886: • Jedenfalls findet sich in der Ollapatrida der Name des Hans Wurst noch nicht, aber trotzdem durfte das Werk in meiner Sammlung ‚Der Wiener Hanswurst‘ nicht fehlen; denn es ist eine der Hauptquellen für unsere Kenntnis der extemporierten Comödie. • Evariste Ghérardi: Théâtre italien (8 Bände. London 1714) • Stranitzky kürzt, erklärt, vergröbert, ändert Kostüm usw. • Couplets und Passagen vor allem aus Abraham a Sancta Clara

  38. Ollapatrida • Ollapatrida Des Durchgetriebenen Fuchsmundi. Worinnen lustige Gespräche/ angenehme Begebenheiten/ artliche Ränck und Schwänck/ kurtz=weilige Stich=Reden/ Politische Nasen=Stüber/ subtile Vexierungen/ spindisirte Fragen/ spitzfindige Antworten/ curieuse Gedancken und kurtz=weilige Historien/ Satyrische Püff/ zur lächerlichen/ doch honnéten Zeit=Vertreib sich in der Menge befinden. An das Licht gegeben vom Schalck Terrae, Als das obbesagten ältesten hinterlassenen Respectivè Stieff=Bruders Vetterns Sohn. In dem Jahr Da Fuchsmundi feil war. 1711. • Folgeausgaben 1722, 1726, 1728, 1771 und 1786 • 65 Szenen ohne Zusammenhang • nicht Stranitzky - ? Johann Valentin Neiner oder Albert Conlin

  39. Quando Sta Peggio Sta Meglio Je schlimmer es Steht Je besser es Geht • ÖNB Cod. 13.176 • 1841 von Ignaz Franz Castelli • Arlequins neü erlernete Kunst beÿ Hofe den Mantel nach dem Winde zu drehen • Prinzipal (Director Comicorum) Carl Ludwig Hoffmann, 1723 • spätere Hinzufügung der Necessaria • Weissenfels den 4 Appril 1722 – Jacob Schumach Comicus

  40. Quando Sta Peggio Sta Meglio • Giambattista Boccabadati: Quando sta peggio sta meglio, ovvero, la Dama Innocente creduta colpevole. Commedia. 1699. • Pedro Calderón de la Barca: Peor está que estaba (1636) • Stadhalter. Inwendig. Celia mache auff, was vor lermmen erhebet sich in diesen Zimer!Celia. Ach liebster herr verberget euch, so gut ihr könt, ich kan nicht mit euch gehen! Der Stadhalter ist mir zu nahe auff den halß! Don Caesar gehet fort.Stadhalter. Mache auff sage ich!Celia. Ich mache Ja schon auff, habt ihr nicht ein weßens, ich war nur dort einen umgeworffenen Stuhl wieder auff zu heben und ihr last mir nicht so viel Zeit!Stadhalter. Was bedeutet dieser Tumult!

  41. Quando Sta Peggio Sta Meglio • Celia. Hab ich euch nicht gesagt, einer von diesen Stühlen so ich ungefehr umgestoßen, hat diesen lermen gemacht sehet nur obs nicht war ist! Wirfft ihn noch ein Mahl um.Stadhalter. Wie! hier ist ein schuß geschehen, weil ich noch daß Pulver rieche!Celia. Eÿ Poßen. Her ihr habt den schnupfen es kan nicht anders seÿn.Stadhalter. Lisarda was ist geschehen?Lisarda. Was soll ich antworten! Mein Herr ich komme eben dazu, weiß also nicht was vorgegangen seÿ!Stadhalter. Aber siehe hier liegt die Pistohle auff der Erden. Folget mir nach ihr bedienten, erstlich zu sehen, wer in diesen hauße sey. Hier nach werdet ihr mir schon ferner rechenschafft geben müßen.

  42. Stadhalter. (O verdrießliches begehren, Meinen Nahmen nicht in die Schantze zu schlagen, darff ich nicht den geringsten argwohn bey Don Giovani erwecken.) Es wird gewißlich nicht von nöthen sein ferner zu suchen.Giovani. Ich versichere, daß ich in dieser Kammer einen Menschen horen gehen, will dero wegen noch in jenen Kasten suchen.Stadhalter. Ihr kent thun was euch gefellet, aber wie gesagt es ist umsonst. (In was vor verwirrung stecke ich doch, wen der brautigam daß jenige außspieret, was ich suche, so wird er da durch argwenisch, und meine Ehre beflecket! Quando Sta Peggio Sta Meglio

  43. Giovani. Eroffnet den Kasten siehet Don Caesar. Wie Don Caesar an diesen orthe. In meiner braut ihr hauß gehet er zu seiner Liebsten, O verletzte Freundschafft! O beleÿdigte Ehre, seyd ihr den unempfindlich. Doch nein die Gegenwarth des Stadhalters hält mich in Zaum, weil in ansehung des Heinrichs der ausgang des Don Caesar muß verschwiegen bleiben! Goldschmit: Das Drama ist sicher eines der besten seiner Art. Die Verwicklung ist mit solchem Geschick durchgeführt, dass es beim blossen Lesen spannend wirkt, umsomehr bei einer halbwegs guten, in schnellem Tempo gespielten Aufführung. Quando Sta Peggio Sta Meglio

  44. ÖNB Cod. 13.193 aus dem Besitz von Ignaz Franz Castelli 1841 Wiener Volkskomödie Hanswurst und Bernardon Basilisco di Bernagasso oder Undanck ist der Welt ihr danck

  45. Basilisco di Bernagasso • Enzinger: Joseph Felix Kurz (Bernardon) • Sonnleitner: Die getreue Prinzeßin Pumphia. Und Hanns-Wurst, Der tyrannische Tartar-Kulikan • Die von Minerva beschützte Unschuld • Basilisco und Brunetta • Hanswurst stellt sich tot

  46. Basilisco di Bernagasso • Basilisco. Mir kömbts frembd vor, das er so g’schwind soll gestorben seÿn: ich mus ein paar geladene pistolen hohlen, ihm die lezte ehre zu erweisen.Hanswurst / Brunetta. Lauffen davon.Basilisco. Ich hab so gemuthmaßet, das es nur ein verstellter handel seÿe. So mus man disen betrügereyen den todt aus dem leib jagen. • Sprichwort von Hanswurst: es ist leichter Flöhe zu halten als eine untreue Frau • unflätige Reime der Narren

  47. Basilisco di Bernagasso • 2. Narr. Das wolt ihr nicht wißen, das meine hosen seÿnd vorne zerrißen, hinten beschmi... und du kanst mich hinten küßen.Hanswurst. Du verfluchter saumagen, schamst dich nicht vor ehrlichen leüthen, der hat ein rechten poetischen hib: das ist der rechte, es ist ja nicht möglich.3. Narr. Das solche leüth auf der welt gibt. Völlig zerrißen, zerlumpt mit papirl an finger [130v] singt ein liedl auf einfältige arth: spilt mit seinen steckerl.Hanswurst. Du bist ä arms bürschl, wem g’hörst zu?3. Narr. Mein vatter ist ä schneider, mein mutter au ein schneider, i ha no ein bruder der ist au ä schneider, wie mein vattä g’heürathet hat, so ist er ein mansbild g’wesen, i wird au bald heürathen, i ha scho ä mensch, aber das ist ä mensch.Hanswurst. Wird ein gute parti werden!

  48. Basilisco di Bernagasso • Notarius. Und damit inskünfftige noch Herr Hanswurst dem Herrn Basilisco, noch der Herr Basilisco dem Herrn Hanswurst wegen disem contract das mindeste vorwerffen könne: also verschreibet, vermachet der Herr Hanßwurst, vor sich, und vor der Herrn Hanswursts erben, dem Herrn Basilisco vor ihn, seine erben, und des Herrn Basilisco nachkomling, alles fahrendes, bewegliches, unbewegliches, paares, und alles was der Herr Hanswurst besizet. Solte aber dem Herrn Hanswurst dise dem Herrn Basilisco gethane übergab reüen, so soll Herr Hanswurst angesehen werden, als wäre er seiner fünff sinen beraubet, und hätte sein...Hanswurst. Wie? Wie heist dises, das möcht ich noch einmahl hören.

  49. Basilisco di Bernagasso • Grundstruktur der Commedia dell’arte • Repertoire der italienischen Komödianten in Paris • Giuseppe Domenico Biancolelli • Gueullette

  50. Der falsche Verdacht • Friedrich Wilhelm Weiskern – Odoardo • Odoardo, gerhab der ColombinaCelio des Odoardo Schwester Sohn, ein ausgelaßener MenschBernardon des Odoardo bruders Sohn, ein armer, einfältiger tropffColombina, ein ungehorsame pupillin des OdoardoHanswurst, des Odoardo gewesener diener amant der Colombina