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  1. Der Fall Galilei,die Vorgeschichteund die Folgen Lutz Sperling

  2. Kapitel 1 Der „Fall Galilei“ und seine Vorgeschichte

  3. Rein beschreibende Weltbilder Antike: rein beschreibende Verfahren für die Bewegungen am Himmel, große praktische Bedeutung, keine Physik Ältestes bekanntes heliozentrisches (= sonnenzentriertes) Weltbild: Aristarch von Samos (ca. 320 - 250 v. Chr.), ca. 100 Jahre später Seleukos

  4. Mythen Alte Weltbilder häufig verbunden mit den Mythen der Völker Bis ca. 500 vor Christus wie auch noch bei Thales von Milet (ca. 600 v. Chr.): Erde = Scheibe oder flache Schale, schwimmend oder auf andere Weise gelagert

  5. Philosophie Hochblüte der griechischen Philosophie: Platon (etwa 427 - 347 v. Chr.), Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) Philosophisch begründete Forderung: Erklärung der Planetenbeweung mittels gleichförmiger Kreisbewegungen

  6. Ptolemäus (ca. 100 – 170) Syntaxis Mathematike (Almagest): Umfassendes Hilfsmittel zur Beschreibung des Weltalls auf der Basis seiner Vorgänger, besonders des Hipparch. Kombination regelmäßiger Kreisbewegungen, Epizyklen Sein überzeugendes, anschaulich erdzentriertes geometrisches Modell wurde für die griechische, arabische und mittelalterliche Astronomie der nächsten 14 Jahrhunderte maßgebend.

  7. Moderne Aspekte bei Ptolemäus Kugelgestalt der Erde bekannt, wesentliche Beiträge zur Geographie, Festlegung eines Nullmeridians, Definition der bis heute gültigen Breitenkreise

  8. Weltbildcharakter des Ptolemäischen Systems Geozentrisches Weltsystem wie früher Eudoxos (ca. 408 - 355 v. Chr.), in Abhängigkeit von und mit Rücksicht auf Aristotels, daher enge Verbindung mit dessen Philosophie: unveränderliche Natur der Gestirne und Regelmäßigkeit ihrer Bewegungen Gott: außerweltlich, unbewegter Beweger, in sich ruhend

  9. Aporie der Aristotelischen Philosophie Philosophische Ausweglosigkeit :: Mensch = Abbild des göttlichen Geistes, aber: in die Sterblichkeit irdischer Behausung verbannt Widersprüche zur christlichen Offenbarung: Welt ewig und ungeschaffen, Gottes Wesen ist das Bei-sich-selbst-sein des vollkommenen Geistes

  10. Thomas von Aquin (um 1225 – 1274) Modifikation des aristotelischen Weltbildes, Durchdringung mit christlichem Denken, aber noch keine Auflösung der genannten Aporie Potential der christlichen Offenbarung: Überwindung der Verbannung der Menschen auf den sterblichen Wohnort der Erde

  11. Nikolaus von Cues (1401 – 1464)(Cusanus) Kardinal! Erde = „göttlich“, Planet unter anderen Planeten , gesetzhafte Verhältnisse auch im Irdischen, Eigendrehung der Erde, Fixsterne = Himmelskörper, Universum zeitlich und räumlich grenzenlos, keine genauen Kreisbahnen, keine unbeweglichen Himmelspole, Sonnenflecken erkannt, Messen, Quantifizieren, Welt für Menschen erkennbar konstruiert

  12. Weitere Vorläufer des Kopernikus Johannes Buridan (auch Jean Buridan) (um 1300 - kurz nach 1358): Keim des Trägheitsgesetzes Nicolas d‘Orêsme, Bischof von Lisieux (1320 - 1382 ): Achsendrehung der Erde Prälat Celio Calcagnini, Ferrara (1479 – 1541), um 1520: Himmel steht fest, Erde bewegt sich

  13. Kopernikus (1473 – 1543) Nepot des Bischofs von Ermland, intuitive Ahnung vom Trägheitsgesetz , "De revolutionibus orbium coelestium" (1543), Heliozentrisches Weltsystem Aber weiterhin: von Kreisbewegungen ausgegangen, Korrektur mittels Epizyklen bleibt notwendig, keine Physik, Weltsystem immer noch Geschmacksache

  14. Reaktion der katholischen Kirche auf Kopernikus Berater hinsichtlich Kalenderreform auf 5. Laterankonzil (1512 - 1517), Positive Reaktionen der Päpste Clemens VII. (1523 bis 1534), Gregor XIV. (1590 - 1591) Universität Salamanca: Lehre der Astronomie seit 1561 auch und ab 1594 nur noch nach Kopernikus. 1581 Gedenktafel für ihn im Dom zu Frauenburg

  15. Tycho Brahe (1546 – 1601) 1572 Beobachtung einer Supernova 1577 Berechnung: Bahn eines Kometen durch die Sphäre der Venus Tychonisches = ägyptisches System (ähnlich System des Heraklit (375 – 310 v. Chr.)): Sonne und Mond um Erde, Planeten um Sonne kinematisch korrekt: Relativbewegung richtig erfaßt Exakte Messungen -> Rudolfinische Tafeln

  16. Tycho Brahes System

  17. Johannes Kepler (1571 - 1630) 1609: 1. Gesetz: Planeten durchlaufen Ellipsenbahnen, in deren einem Brennpunkt: die Sonne 2. Gesetz: Verbindungsgerade Sonne - Planet überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen 1619: Harmonices mundi (Weltharmonik) 3. Gesetz: Gleiche Verhältnisse für Quadrate der Umlaufzeiten je zweier Planeten u. Kuben der großen Halbachsen ihrer Bahnellipsen Wichtige Quelle für Newtons Gesetze, aus diesen herleitbar

  18. Ergänzung zu Johannes Kepler Dynamische Idee: Sonne als Quelle der Schwere vermutet Religiöse Ideen: Ellipse = Kombination von Kreis und Gerader Ästhetische Ideen: Pythagoreische Zahlensymbolik, musikalische Intervalle und Polyedermodell für Sonnensystem

  19. Galilei (1564 – 1642) mit 60 Jahren

  20. Galileis Hauptwerke 1632: "Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme" (kurz "Dialog" oder "Dialogo" genannt) 1638: "Discorsi" Stilmittel: Einteilung in Tage.

  21. Galileis wissenschaftliches Vorgehen Verbindung von: Experiment und Mathematik, von induktiver und deduktiver Methode Francis Bacon (1561 – 1626): „dissecare naturam“ Einfachheit der Naturgesetze: Beschleunigung, Fallgesetze, Trägheitsgesetz Keimhafte Erkenntnisse zu vielen heute bekannten Gesetzen in Mathematik und Natur

  22. Galileis astronomische Entdeckungen 1609 systematischen Himmelsbeobachtungen mittels Fernrohr, 1610: "Sidereus Nuncius" (Sternenbote) Gebirgige Struktur des Mondes, 40 Plejaden, Galaxis = viele Sterne, 7.1.1610: „Sideri Medicea“, (4 Jupitermonde) Phasen der Venus, Saturnringe, Sonnenflecken, Neptunbeobachtung, Vermutung riesiger Entfernung der Fixsterne

  23. Galileis Grundposition gegenüber den Objekten der Astronomie Mehr an Physik des Universums als an astronomischen Systemen interessiert, an Aufbau des Universums hinsichtlich Ruhe und Bewegung Erkenntnis der Gleichartigkeit von irdischer und kosmischer Welt Keine Beschäftigung mit den Keplerschen Gesetzen

  24. Galileis Wirken bis zu seinem Ruhm als Astronom Einfluß durch Collegio Romano der Jesuiten, besondere mathematische Kompetenz, besonders: Christoph Clavius (1537/38 - 1612), Lehrstühle für Galilei: 1589 Pisa, 1592 Padua 1609: öffentliche Fernrohrvorführung auf dem Campanile von San Marco, „Sidereus nuncius“: Druckerlaubnis durch Zensor Dominikaner Niccolò Riccardi (1565 - 1639) 1611 sehr erfolgreicher Rombesuch besonders auch am Collegio romano, 6. Mitglied der berühmten "Academia dei Lincei"

  25. Fürst Cesi

  26. Papst Paul V. (1605 – 1621)

  27. Kardinal Bellarmino

  28. Die Inquisition und Roberto Bellarmino(1542 – 1621) Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis, 1542 nach Reformation gegen Häresien gegründet 1908 Sacra Congregatione Sancti Officii 1965 Kongregation für die Glaubenslehre Jesuit Bellarmin, 1930 heiliggesprochen, tief fromm und bescheiden, gegen weltliche Macht des Papstes, entschiedener Gegner der Reformation Bestätigung der Richtigkeit der Beobachtungen Galileis durch Jesuiten eingeholt, Eintrag in Inquisitionsakten

  29. Fragen der Bibelauslegung Gewisse Peripatetiker verbanden bei Ablehnung des heliozentrischen Systems ihre Aristoteles-Abhängigkeit mit Heranziehung von Bibelzitaten Galilei nimmt gegen guten Rat Kampf auf, ohne schon Beweise vorlegen zu können, Berufung z. B. auf Jesuiten Diego Zuñiga 1612: 3 Briefe über Sonnenflecken Brief an Benediktiner Benedetto Castelli

  30. Gegensätzliche Positionen 1614: Attacke durch Dominikaner Caccini, Anzeige beim Hl. Offizium, Galileis Rechtgläubigkeit bestätigt, Rat zur Vorsicht 1615: "Brief" an die Großherzogin Mutter Cristina mit Argumenten des Karmeliters Foscarini und des 1607 verstorbenen Kardinals Baronius Antwort Bellarminos vom 12.4.1615: Auslegung der Hl. Schrift durch die Väter bis zum Vorliegen von Beweisen

  31. Das Dekret von 1616 Das Heilige Offiziumlegt 10 Theologen 2 Thesen zur Begutachtung vor -> Bewegungslosigkeit der Sonne = formell häretisch Erdbewegung = irrig im Glauben Aber: abgemildertes Dekret nur von Indexkongregation ohne Häresievorwurf Mehrere Verbote Zu Galilei: lediglich zwei Eintragungen + Ehrenerklärung von Bellarmin im Mai 1616

  32. Streit mit Pater Grassi Drei Kometen und ein Vortrag des Jesuiten Grassi darüber im Jahre 1618 führten zu einem üblen Streit Galileis mit ihm, wobei Galilei nach einhelliger Ansicht der Fachwelt zu einem erheblichen Teil wissenschaftlich unrecht hatte. Das hielt ihn aber nicht von üblen Beschimpfungen ab, in deren Zusammenhang er auch noch gleich den Jesuiten Scheiner zu unrecht des Plagiats beschuldigte, so daß er das bisherige Wohlwollen der Jesuiten gänzlich verspielte.

  33. Papst Urban VIII. (1623–1644)

  34. Papst UrbanVIII. , „Il saggiatore“ 6.8.1623 Kardinal Maffeo Barberini -> Urban VIII. Widmung von Galileis polemischer Antwort an Grassi „Die Goldwaage“ angenommen 1624: Erfolgreicher Besuch Galileis in Rom Weiterhin freundschaftliches Verhältnis zu Urban VIII., 6 lange Audienzen

  35. Galileis „Dialog“ 1629 vollendet, in Italienisch, auf Breitenwirkung zielend Riccardi jetzt Magister Sacri Palatii, für Druckerlaubnis zuständig Papst sichert Galilei kirchliche Pension zu, die ihm bis zum Lebensende gezahlt wird

  36. Galileis Fehler Auflage des Papstes, Kopernikanische Lehre nur als Hypothese zu vertreten, nicht überzeugend erfüllt Position des Papstes ausgerechnet dem in alten Denkweisen verhafteten, etwas begriffsstutzigen Simplicius in den Mund gelegt Mißbrauch der Teildruckerlaubnis von Riccardi, Buch schon in Florenz aufgeliefert, in Rom durch Riccardi beschlagnahmt Begeisterte Zuschriften

  37. Gutachten der Kommission Papst noch um Schonung Galileis bemüht, beruft Kommission unter dem Vorsitz des Galilei wohlgesonnenen KardinalnepotenFr. Barberini 8 Anklagepunkte, u.a.: - Kopernikanismus als bewiesen dargestellt, - Ebbe und Flut fälschlich als Beweis angeführt, - Mißbrauch des römischen Imprimaturs, - Zerzausung der Gegener Papst erfährt vom Galilei 1616 auferlegten Verbot, Übergabe an Hl. Offizium, Vorladung Galileis

  38. Prozeß von 1633 Zuvorkommende Behandlung, Galilei verstrickt sich unter Eid in Widersprüche, erklärt sich zum Eingeständnis seines „Irrtums“ bereit Galileis „Dialogo“ und Keplers „Grundriß“ verboten Galilei verurteilt zu: - Verlesen der Abschwörungsformel („der Häresie stark verdächtig“), - „Kerkerhaft“ im Hl. Offizium, - Wöchentliches Gebet der 7 Bußpsalmen, 3 Kardinäle, darunter Francesco Barberini unterschrieben nicht

  39. Nach der Verurteilung Galilei wohnte zunächst im Palast seines Freundes, des Erzbischofs Ascanio Piccolomini, durfte aber Ende 1633 in seine Villa Arcetri bei Florenz zurückkehren. Druck seiner Werke (außer „Dialog“) in Leyden, Spätwerk „Discorsi“ begründete Galileis Weltruhm als Begründer der modernen Physik W. Brandmüller: „Galilei war weder als Forscher noch als Katholik gescheitert, als man ihn in St. Croce zu Florenz bestattete."

  40. Galilei mit 71 Jahren

  41. Weiteres Schicksal des Kopernikanismus im kath. Bereich Gründung der berühmten Academia del Cimento bald nach Galileis Tod (Fürst Cesi war 1630 gestorben), Vergleichbare Einrichtungen in Siena, Padua, Neapel, Brescia und Bologna Academia Fisico-Matematica in Rom: - Magalotti Kometenstudien, - Cassini Saturntrabanten, - Ciampini berühmte Teleskope, - Borelli Vermutungen im Sinne Newtons

  42. Kirchlich geduldeter Prokopernikanismus 1639, 1645 Bullialdus und Gassendi (kath.Priester) verteidigten Lehre des Kopernikus 1651 Riccioli: großer prokopernikanischer Astronomie-Atlas 1656, 1667 und 1669: Erscheinen weiterer prokopernikanischer Werke 1710: Erscheinen des „Dialogs“ mit kirchlicher Druckerlaubnis 1757 (Benedikt XIV.): Streichung heliozentrischer Werke aus dem Index der verbotenen Bücher

  43. Endgültige Legalisierung 1820 Guiseppe Setteles Buch „Sapienza“, Druckerlaubnis von Hl. Offizium mit päpstlicher Unterstützung gegen Oberzensor Gutachten Kardinal Olivieri: Astronomische Auffassung widerspricht nicht dem katholischen Glauben Im Index Gregors XVI. von 1835: sämtliche prokopernikanische Werke getilgt Kirchliche Entscheidungen der Galileizeit mußten nicht desavouiert werden

  44. Papst Johannes Paul II. 10.11.1979: Albert Einsteins 100. Geburtstag Johannes Paul II. wünscht: Vertiefung der Überprüfung des Falles Galilei, aufrichtige Anerkennung des Unrechts, gleich von welcher Seite, Beseitigung von Mißtrauen, fruchtbare Zusammenarbeit von Glaube und Wissenschaft 31.10.1992: Galileo Galileis 350. Todestag Überreichung des Ergebnisses, tiefgründige Ansprache des Papstes

  45. Kapitel 2 Motive und Urteile

  46. Rolle der Mathematik Galilei: „Das Buch der Natur ist mit mathematischen Symbolen geschrieben.“ „Ohne diese Mittel ist es dem Menschen unmöglich, ein einziges Wort davon zu verstehen.“

  47. Messung und Experiment Galilei: „Man muß messen, was meßbar ist, und meßbar machen, was es nicht ist." Max Thürkauf: „Einengung der Natur auf das Meß- und Berechenbare“ Galilei huldigt jedoch keinem reinen Empirismus

  48. Kausales Denken und Finalursachen Galilei hatte entscheidenden Anteil daran, daß das Ptolemäische Weltbild zum Einsturz gebracht wurde neues kausales, naturgesetzliches Denken, Vorbereitung der Newtonschen Gesetze Bevorzugung der Wirkursachen vor den Finalursachen, Verstummen der Fragen nach dem Zweck Konsequenzen für Philosophie und Theologie

  49. Galileis Kopernikanismus Noch 1606 ein Lehrwerk im Sinne des Ptolemäus Ausgeprägter Kopernikanismus wohl erst nach Himmelsbeobachtungen 1609 Albert Einstein: Dieser sei bei Galilei "nicht etwa eine bloße Konvention, sondern eine Hypothese, die 'wahr' oder 'falsch' ist". Aber: „... so sind doch alle diese Argumente nur qualitativer Art“. Also: Galilei hatte noch keine stringenten Beweise.

  50. Offenbarung aus dem Buch der Natur Galilei: zwei Offenbarungen Gottes: Buch der Natur und Heilige Schrift für Trennung von Physik und Philosophie, gegen Autorität kirchlicher Stellen bei wissenschaftlichen Schlußfolgerungen Johannes Paul II.: Galilei unterschied jedoch nicht ausreichend „zwischen dem wissenschaftlichen Zugang zu den Naturerscheinungen und der philosophischen Reflexion über die Natur“.